Dienstag, 9. November 2010
Gedenkfeyer
Wenig Gewissheit bietet das Dasein,
selbst das Hier und Jetzt erkennen wir erst,
wenn es vergangen.
Der Erkennende aber erkennt sich
nur durch sein Tun und das Getane.
Wie entwirrt sich diese unendliche Vielfalt,
gliedert und teilt in Strukturen alles,
was nicht mehr ist,
da es doch, wäre es noch nicht,
nur als Idee sich unserer Vorstellung näherte,
um sich im Moment des Geschehens
in Vergangenheit zu verwandeln.
Wir allein tragen in uns die Zeit
und das Wissen ums eigene Gestern,
dem wir bisweilen Form und Ablauf
schenken in unserem Erinnern,
wenn wir Altäre errichten, vor denen
wir dankend die Leere, die jene ließen,
an die wir in Trauer gedenken,
überbrücken mit Ehrfurcht und Liebe,
und sie, die waren und nimmer sind,
so an unser Heute binden.
Wenn die stillen Flügelschläge des zeitlosen Uhus,
der Euch nach dem Lethetrunk am Ufer des Styx
hinübertrug in Euer Vergessen, auch uns
zufächeln Windhauch der Vergänglichkeit,
so bleibt doch der Abdruck dessen, was Ihr wart,
für uns im Ahallaschrank der Herzen bewahrt.
Dorthin, wo Ihr sein mögt, denn keiner kennt,
was nicht erkennbar und immer so bleiben wird,
ob Ende ist Ende, Anfang oder Verwandlung,
wenn auch dorthin nicht dringt unser Gruß,
sein Nachhall lässt freudiger Pochen unsere Herzen.
LuLu Euch, LuLu Freunde, LuLu!
Jk Rudolf (385) fechste dies am 8. Windmond a.U. 151
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Der trunkene Knappe vor einem Quell
Vor dem Quelle saß der Knappe,
blies den Schaum in Kringeln fort,
die sich auf das Tischtuch legten
und sein Mund fand klagend Wort:
Ach wie viele lange Monde
muss ich harren auf den Tag,
da man mich erhöht zum Junker,
wünscht es der Schlaraffenrat.
Fragt nicht, warum ich verzage,
der Gestrenge ist zu streng,
Selbst wenn ich zu hoffen wage,
bleibt der Ausblick trist und eng.
Dabei wär dies erst ein Schritt
hin zu jenem Ritteradel,
der mir hier entgegen tritt,
glanzvoll, würdig, ohne Tadel.
Bin zum Warten auserkoren.
Um den Junkertisch zu schmücken,
lässt man mich als Knappe schmoren,
Quell mein einziges Entzücken.
Komm, du goldener Gerstensaft,
glucks durch meine Eingeweide,
was soll mir die Ritterschaft?
Niemand tröstet mich im Leide.
Hört Schlaraffen, Freunde hört,
falls im Schmerze ich vergeh,
weiß ich, dass dies niemand stört.
Trockne Träne und Ehé!
Jk Rudolf (385) 1. des Erntemonds a.U. 151
Was für jeden, der eine deutsche Schule besuchte, gleich klar wird, ist für jene Schlaraffen, die eine andere Schulbildung durchmachten, nicht evident, und daher will ich für diese Freunde darauf hinweisen, dass ich hier eine Vorlage unseres großen Dichters Friedrich von Schiller (1759-1805) persiflierte - was er mir sicherlich verziehe - nämlich das auch von F. Schubert vertonte Gedicht
Der Jüngling am Bache
An der Quelle saß der Knabe,
Blumen wand er sich zum Kranz,
Und er sah sie fortgerissen,
Treiben in der Wellen Tanz: –
“Und so fliehen meine Tage
Wie die Quelle rastlos hin!
Und so bleichet meine Jugend,
Wie die Kränze schnell verblühn.
usw
Mühsame Frivolität
Dass alle, die nur darauf warten,
dass ich auf meiner eignen Schmiere gleite
und mir den Hintern wund schlag auf dem harten
Pariser Pflaster, rücken auf die Seite!
So kann ich freier Atem holen
und freier reden, gestikulieren,
indess die Blicke, leicht verstohlen,
in manchem Ausschnitt sich verlieren.
Verdammt, ich habe mich geirrt,
die Lust, sie gaukelt vor mir Leiber,
mit vollen Brüsten, so dass ich verwirrt,
erblick in Euch, Ihr Sassen, Weiber.
Entfliehen muss ich diesem Wahne,
schon brennen heiß vor Gier die Sohlen,
heut reizt mich, Herrlichkeit, kein Ahne,
im Venusberg kannst, Uhu, Du mich holen.
Doch langsam, bitte, lass Dir Zeit,
bis ich mein Sinnenfieber abgekühlt,
und das, zu dem ich glaubte mich bereit,
ward von der Lethe grausam weggespült.
Im schweren Schädel noch den Widerhall
vom Singsang einstiger Sirenen,
von Wollust, Liebe, Place Pigalle,
von Trunkenheit und Reuetränen?
Ich will Euch nicht mehr hören, schweigt,
was Ihr mir schenktet, wurde bitter,
als sich das Alter mir gezeigt.
So lacht doch, Knappen, Junker, Ritter!
Jk Rudolf (385) Lulutetia Parisiorum im Lethemond a.U. 151. vorgesehen für die 1022. Sippung mit Thema "Pigalle, Pigalle, Frivoles für Alle"
Mittwoch, 4. August 2010
Der Sprung in das Quell
„Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,"
den Junker hat Schiller leider vergessen,
„ohne abzusetzen zu stürzen hinab
seine Gurgel ein Doppelmaß Quell, gut bemessen?
Wem solches gelingt und ohne Ersticken,
den lade am Sonntag als Gast ich zu mir.
Da darf er dann meine Burgmaid erblicken,
oder auch mehr, wenn er bleibt Kavalier.”
Der Fungierende sprachs und der Mundschenk den Styx
für den Tjost ein Großmaß zu füllen bat.
Der tat wie geheißen recht hurtig und fix
stand der Humpen voll Quell schon parat.
Ein doppeltes Maß, das ist mir zuviel,
so dachten im Stillen manche der Sassen.
Des Fungierenden Burgmaid, was soll ich mit ihr?
Viel sicherer ist es beim Wettkampf zu passen.
„Hört Schlaraffen!” erklangs von der Junkertafel,
wo der Junkermeister begehrte das Wort
für den Junker, bekannt für sein Fechsungsgeschwafel,
der sich gemeldet zu einem Rapport.
„Ob ich für den Preis bin würdig und reif,
das will ich in diesem Wettkampf beweisen,
und so wie ich jetzt nach dem Humpen greif,
will ich fürderhin Rudolf der Trinkfeste heißen.”
Er schritt auf den Thron, den prächtigen, zu
und verneigt sich dreimal, die Arme gekreuzt,
dann rief er: „Gebt Gunst mir, erhabener Uhu!"
Gerührt hat sich mancher schnell heimlich geschneuzt.
Das Junkerlein nahm das Glas in Empfang,
dass der Styx bis zum Rande mit Quell gefüllt,
dann atmet er tief, dann atmet er lang,
wie ein Raubtier, bevor zu erschrecken es brüllt.
Er beginnt das Quell in die Kehle zu gießen,
und die Sassen schweigen bewundernd und schauen,
wie das Quell in den Junker nicht aufhört zu fließen,
und der Zweifel macht Platz dem bewundernd Vertrauen.
Das Quell aber fließt in den Junker hinein,
als wär er ein riesiges Fass ohne Boden,
obwohl er eher schmächtig und klein,
in seinem Rock aus verschlissenem Loden.
Nun finden die Stimme die Sassen wieder:
„Seht nur, er schafft es, es wird ihm gelingen,
diese Kühnheit, der Durst, wie tapfer, wie bieder..."
so will jeder dem Junker ein Loblied jetzt singen.
Leer ist das Glas und der Junker tritt stolz
hin vor den Thron, ruft „Lulu!” und verneigt sich.
Nun wissen die Sassen, aus welchem Holz
er geschnitzt ist, wie es im Wettkampf gezeigt sich.
„Wahrlich, Ihr habt Euch wacker geschlagen
und verdient Eure Ladung in die Heimburg zu mir,
doch wollt Ihr Euch nochmals zum Tjoste wagen,
erwirkt Ihr Euch damit das höchste Pläsier.
Wenn es Euch gelingt,” so verkündet vom Throne
des fungierenden Herrlichkeit strahlende Pracht,
„ein zweites Großmaß zu leeren, zum Lohne
wird Euch dann zuteil, was noch nie ward vollbracht:
Ihr Junker sollt dann aus dem Aha Euch laben,
was strenge verboten im Ceremoniale.
Ich hoffe, Aha wird Verständnis haben,
und nicht ahnden, wenn Ihr verletzt das Sakrale.”
Die Burgmaid der Herrlichkeit nur zu erblicken?
Sie zu erkennen, das lohnt sich vielleicht.
Was bieten schon solche verwöhnte Zicken,
da doch eine der anderen gleicht!
Aber als Junker aus dem Aha zu laben,
einmalige Ehre, die nie noch gewährt.
Ich will, ich muss diese Auszeichnung haben:
„Ich wage es, schnell sei der Humpen geleert!”
In die Kehle beginnt er das Quell sich zu gießen,
und die Sassen schweigen bewundernd und schauen,
wie das Quell nicht aufhört, in den Junker zu fließen
und wieder verdrängt den Zweifel Vertrauen.
Leer ist der Humpen, der Junker ist voll.
„LuLu, Lulu!” erhebt sich ein Tosen.
Auf die Tische tappen die Sassen wie toll,
„Lulu dem Junker, Lulu dem Famosen!”
Wie der zweifache Sieger sich grüßend verneigt
erneut vor des Thrones strahlender Runde,
eine grässliche Übelkeit in ihm aufsteigt,
und er flüchtet, die Hand vor dem Munde,
dorthin, wo selbst Könige gerne allein,
was zu viel, aus dem Leibe entlassen.
Dort sperrt er sich schnell mit dem Riegel ein.
Die Muschel kann kaum, was er abgibt, erfassen!
Zu schwach, um zu flüchten aus dem Abort,
bleibt der Junker dort hocken, bis die Sippung zu Ende,
und schwankenden Fußes, den Blick schwarz umflort,
er heimlich verlässt das blamable Gelände.
Den Magen verdorben, das WC angestieben,
den Aha versäumt: was ist ihm geblieben?
Man nennt es wohl Hybris, wenn nie zufrieden
man nach etwas strebt, das uns nicht beschieden.
Drum liebe Freunde, Schlaraffen und Sassen,
seid klug und nehmt, was Ihr schon gewonnen,
und trachtet Euch nur nicht verführen zu lassen,
mehr zu verlangen, als Euch zusteht an Wonnen.
Er wollte mehr, das bekam ihm nicht gut,
Uhus Gunst, die wollt er verschwenden!
Bedenkt, was immer im Leben Ihr tut:
Auch Helden können im Scheißhaus enden.
Jk Rudolf (385) im Erntemond 151, vielleicht auch als Ausrittfechsung bei einer ES Funke Sippung
Sonntag, 30. Mai 2010
Ermunterung
(als Kampflied der Schlaraffen gedacht)
Stern am Komödiantenhimmel,
Farbenfrohe Ritterschaft!
Hebt Euch ab von dem Gewimmel,
seht, Ihr seid noch ohne Schimmel,
voll im Mark und voll im Saft.
Hebt die Waffen, zückt das Schwert,
spürt Ihr schon des Kampfes Glut?
Voller Humpen sei geleert,
zeigt, dass würdig Ihr und wert.
Lethe schenk Euch Löwenmut.
Schlagt den Feind, wo er auch immer
düster lauert im Profanen,
duldet nicht sein Gramgewimmer:
nichts auf dieser Welt ist schlimmer,
als den Alltag trostlos planen.
Ihr, des Frohsinns stolze Ritter,
jagt den Missmut fort mit Lachen,
das mit Freundschaft, Kunst als dritter
Tugend Griesgram schlägt in Splitter.
Lasst die Lebenslust erwachen!
Nieder mit den schlechten Launen,
das befiehlt Euch der Uhu.
Mag sein Gurren, heimlich Raunen
auch die Phantasie erstaunen:
Auf zum Kampfe und Lulu!
Junker Rudolf (385) fechste dies zur Festsippung der Montagsreyche
im h.R. Pfalzbruggen am 29. des Windmondes a.U. 151
Stern am Komödiantenhimmel,
Farbenfrohe Ritterschaft!
Hebt Euch ab von dem Gewimmel,
seht, Ihr seid noch ohne Schimmel,
voll im Mark und voll im Saft.
Hebt die Waffen, zückt das Schwert,
spürt Ihr schon des Kampfes Glut?
Voller Humpen sei geleert,
zeigt, dass würdig Ihr und wert.
Lethe schenk Euch Löwenmut.
Schlagt den Feind, wo er auch immer
düster lauert im Profanen,
duldet nicht sein Gramgewimmer:
nichts auf dieser Welt ist schlimmer,
als den Alltag trostlos planen.
Ihr, des Frohsinns stolze Ritter,
jagt den Missmut fort mit Lachen,
das mit Freundschaft, Kunst als dritter
Tugend Griesgram schlägt in Splitter.
Lasst die Lebenslust erwachen!
Nieder mit den schlechten Launen,
das befiehlt Euch der Uhu.
Mag sein Gurren, heimlich Raunen
auch die Phantasie erstaunen:
Auf zum Kampfe und Lulu!
Junker Rudolf (385) fechste dies zur Festsippung der Montagsreyche
im h.R. Pfalzbruggen am 29. des Windmondes a.U. 151
Mittwoch, 14. April 2010
vielleicht red’ ich zu kompliziert
Da schließlich jemand an mich glauben sollte,
hab ich beschlossen, dass ich dieser sei,
da aber niemand mir Beachtung zollte,
fiel es nicht auf und so war nichts dabei.
Man pries und lobte stolz die alten Meister,
verglich sie mit den Stars , die «in" sind heute,
dafür vergeudet man viel Wortekleister.
Was macht das schon, da niemand es bereute.
Doch sagt ich jetzt, dass es nun Abend sei
und Zeit, dass wir beginnen unser Sippen,
so fragte sicher mich ein Adabei
ein wenig grinsend und beim Gläschennippen,
wie sich ein tiefrer Sinn für uns ergebe,
ob sich die Dinge fügen zum Geschehen,
vertrockne Lethe, wenn das Glas ich hebe,
wie auch die andern tun und wir eheen?
Als wär Gestammel für uns besseres Sprechen,
die Narrenkappe aufgesetzt zum Schutz,
um für die Lebenswunden sich zu rächen,
dem Todesernst begegnen voller Trutz.
Wie es denn kam, dass mancher so gerührt,
als dann die blaue Kerze ist erloschen,
und man auch unter Spielzeugrüstung spürt,
dass wirksam bleiben, wenn auch abgedroschen,
die Phrasen, Gesten und die alten Bräuche,
die fern uns halten die Modernität,
auf dass sie unser Denken nicht verseuche,
für dieses Streben ist’s noch nicht zu spät:
Noch schallt Gesang, wenn auch nicht immer richtig,
das Quell erfrischt und Lethe uns erfreut.
Wir wissen, dass nur Eines wert und wichtig:
Das Gestern wahren für das Morgen heut!
Jk Rudolf (385) fechste dies am 12. des Ostermondes a.U. 151
im h.R. Lulutetia Parisiorum
Dienstag, 23. März 2010
So soll es also Frühling sein
es dreht sich die Zeit im Kreise...
Vom Frühling weiß man: er beginnt im Lenz,
reicht durch den Ostermond und Maienwonnen
zum Brachmond weiter, in dem ich geboren:
so ward ich wohl im Lethemond gezeugt.
Trotz rauen Klimas geben wir uns fröhlich
zum Sippungsanfang in der Winterung,
durchstehen Eis und Sturm in unsren Burgen,
bis hold der Frühling uns ins Freie lockt.
Die Blütezeit der Kindheit und der Jugend
des Jahres, das nach einem Dutzend Monden
erstarrt, erfriert, sich auflöst und zum Abschied
an uns mit Überschwemmungen sich rächt.
Wenn wir Vermenschlichen die Phänomene,
vor denen wir auch heute hilflos stehen,
so können wir jedoch auch hier erzählen,
dass nach 9 Monden stets das Jahr entbindet.
Wie die Verwandlung sich vollziehen mag?
Ein kühler Kopf wird es doch nie begreifen,
wieso am Einundzwanzigsten des Lenz
der Winter endet und der Frühling wird.
Er wird, doch was wird er und was geschieht?
Entschlüpft der Frühling aus der Puppe Winter,
der zarte Schmetterling so frisch und schön,
Vielleicht? Was soll‘s! Ihr kommt doch nicht dahinter,
denn manche Rätsel hütet die Natur.
Sie lässt uns leiden, macht uns glücklich auch,
selbst wenn wir das Warum doch nie erkennen:
wir leben und das ist alleine wichtig!
So wollen wir das Kind beim Namen nennen,
auch wenn es spät kommt, heißt es Frühling doch
und meldet lebenslustig sich und heiter.
Hier, wo man Deutsch spricht, ist es stets ein Jüngling,
des Stolz das blaue Himmelsband umweht,
indes sein italienisch Schwesterlein
als Primavera rosig sich behost,
hmm! ein solches Band sich um die Stirne bindet.
Wie auch die Winde wehen und die Bänder,
und stürmischer der Jungen Lust sich regt,
selbst bei den Alten manches sich bewegt,
das alles bringt des Lenzmonds mildes Wehen,
von dem die Dichter gerne faseln, reimen,
mit Herz und Schmerz als Salz sie schaffen Schmalz,
damit die Verse blau und rosa leimen,
bis neue Wonnen sich nach Ostern zeigen.
Das Kind wird flügge und als junger Mann
durcheilt er tänzelnd glücklich seine Zeit
reift dann im Brachmond fröhlich hin zum Sommer.
So ging und geht es Jahr für Jahr für Jahr...
Trällern: „das Karussell dreht immer sich im Kreis herum..”
Jk Rudolf (385) gefechst am 22. des Lenzmondes a.U. 151
Vom Frühling weiß man: er beginnt im Lenz,
reicht durch den Ostermond und Maienwonnen
zum Brachmond weiter, in dem ich geboren:
so ward ich wohl im Lethemond gezeugt.
Trotz rauen Klimas geben wir uns fröhlich
zum Sippungsanfang in der Winterung,
durchstehen Eis und Sturm in unsren Burgen,
bis hold der Frühling uns ins Freie lockt.
Die Blütezeit der Kindheit und der Jugend
des Jahres, das nach einem Dutzend Monden
erstarrt, erfriert, sich auflöst und zum Abschied
an uns mit Überschwemmungen sich rächt.
Wenn wir Vermenschlichen die Phänomene,
vor denen wir auch heute hilflos stehen,
so können wir jedoch auch hier erzählen,
dass nach 9 Monden stets das Jahr entbindet.
Wie die Verwandlung sich vollziehen mag?
Ein kühler Kopf wird es doch nie begreifen,
wieso am Einundzwanzigsten des Lenz
der Winter endet und der Frühling wird.
Er wird, doch was wird er und was geschieht?
Entschlüpft der Frühling aus der Puppe Winter,
der zarte Schmetterling so frisch und schön,
Vielleicht? Was soll‘s! Ihr kommt doch nicht dahinter,
denn manche Rätsel hütet die Natur.
Sie lässt uns leiden, macht uns glücklich auch,
selbst wenn wir das Warum doch nie erkennen:
wir leben und das ist alleine wichtig!
So wollen wir das Kind beim Namen nennen,
auch wenn es spät kommt, heißt es Frühling doch
und meldet lebenslustig sich und heiter.
Hier, wo man Deutsch spricht, ist es stets ein Jüngling,
des Stolz das blaue Himmelsband umweht,
indes sein italienisch Schwesterlein
als Primavera rosig sich behost,
hmm! ein solches Band sich um die Stirne bindet.
Wie auch die Winde wehen und die Bänder,
und stürmischer der Jungen Lust sich regt,
selbst bei den Alten manches sich bewegt,
das alles bringt des Lenzmonds mildes Wehen,
von dem die Dichter gerne faseln, reimen,
mit Herz und Schmerz als Salz sie schaffen Schmalz,
damit die Verse blau und rosa leimen,
bis neue Wonnen sich nach Ostern zeigen.
Das Kind wird flügge und als junger Mann
durcheilt er tänzelnd glücklich seine Zeit
reift dann im Brachmond fröhlich hin zum Sommer.
So ging und geht es Jahr für Jahr für Jahr...
Trällern: „das Karussell dreht immer sich im Kreis herum..”
Jk Rudolf (385) gefechst am 22. des Lenzmondes a.U. 151
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