Dienstag, 21. Juni 2011
Ein freundlicher Zeitgenosse
Dies ist die Geschichte von Nepomuk Zwickel,
die ich Euch erzähle in diesem Artikel.
Ein biederer Bürger, voll Friedfertigkeit,
dem niemand ein böses End' prophezeit.
Schon in den frühesten Mannesjahren
ist dem Zwickel das große Glück widerfahren,
dass er statt sich täglich mit Arbeit zu schinden
sich konnt’ einer reichen Witwe verbinden.
Die war nicht mehr ganz jung, noch weniger schöne,
doch sie brauchte jemand, der sie etwas verwöhne!
Zweimal die Woche Herr Zwickel beglückte
die bescheidene Witwe, was diese entzückte.
Die restliche Zeit verbracht' er sinnierend,
und so finden wir ihn im Lehnstuhl dozierend.
Er trinkt dort vom roten Wein manchen Schluck.
Dann brabbelt er los, unser Nepomuk:
„Diktatoren, Potentaten
schießen auf ihr Volk Granaten.
Verflixt auch der Atomzentralen
radioaktive Strahlen.
Wassermangel, Hungersnot,
Kamikazen säen Tod!
Lustiger ein kleines Weh,
wie ich überall es seh:
Prostata und Hängebusen
stören wenig nur beim Schmusen.
Zehennägel, eingewachsen,
dünne oder dicke Haxen,
über-, kurz- und weitgesichtig,
Zipperlein und sonstwo gichtig,
Hexenschuss und Pestilenz,
Arrhythmie der Herzfrequenz.
Gürtelrose und Arthrose,
Hyper, Hypo einer Chose,
Kehlkopfkrebs und Raucherbein,
darf es etwas mehr noch sein?
Ach, wie find ich es ergötzlich,
dass der Mensch so sehr verletzlich.
Fingerwurm und Diarrhö,
Syphilis und Gonorrhö,
Bandscheinschäden, Leistenbruch.
Gar nicht nötig, dass ich such,
die Natur drängt zu ergänzen,
alle Übel mir kredenzen.
Freut mich das auch innerlich,
dank ich Gott, dass er nicht mich
mit den Plagen hat geschlagen
und mich lässt voll Lust beklagen,
was die anderen ertragen,
voller Überzeugung sagen:
Wie genieß ich das Pläsir,
dass das Leid Euch gilt, nicht mir.“
Ob es ihn gibt, bleibt zu glauben Euch frei,
doch akkurat kam zur Stunde vorbei
der Engel der Gerechtigkeit.
Wenn Ihr es nicht glaubt, so bitte verzeiht.
Als der Engel den Nepomuk reden gehört,
schrie er auf vor Verzweiflung und tiefstens empört:
„Schweig Nepomuk, hör auf mit dem Fluchen.
Hast dich selber verdammt und hier nichts mehr zu suchen.
Fahr ab in die Hölle, da du dich verteufelst,
dass du glühende Kohlen für den Teufel dort schäufelst
auf andere wie du verlorene Seelen.
Die werden ihrerseits dann nicht verfehlen,
dass auch Du kannst im eigenen Schmalze brutzeln,
während sie schmatzend dein Lebensmark zuzeln,
bis du eines wirst mit deinesgleichen
und allen den anderen toten Leichen.“
****
Hat dies Ende Euch gefallen,
nun, so wünsche ich Euch allen,
die ergötzt an fremden Leiden,
es in Zukunft zu vermeiden,
Euch als Menschenfreund zu sehen,
sonst könnt es Euch wie jenem gehen!
Rt Schmafu (385) schrieb diesen Text für das 62. Ritter-Turney um die Huckebeynkette am 11. des Brachmondes a.U. 152 veranstaltet vom h.R. Hildesia und erhielt dafür den 3. Preis
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