wenn man einen Titel anklickt, wird man (meist) zu einer Hörfassung weitergeleitet, oder man klickt, so vorhanden, auf Hörfassung.

Dienstag, 5. Februar 2013

Kochen


Besuch auf einem Markt
hilft gegen Herzinfarkt.
Der Kenner der Gemüse
braucht keine Analyse.

Karotten, Petersil,
vom Knoblauch  nicht zu viel,
jedoch mit Majoran
man köstlich würzen kann.

Fragt mich nicht, was ich kochen werde.
Fragen, das stört meine Konzentration.
Stehe ich vor einem Küchenherde,
sehe im Geist ich die Speisen schon.

Brodelt es dann und brutzelt der Braten,
welche Aromen erfüllen die Luft!
Salatparadeiser, die frischen Tomaten,
mit Modenaessig  und Origanduft.

Dampfgekocht, knackig die Prinzessbohnen,
Fruchtsalat Kirschen und Apfelsine,
cholesterinarm, den Kreislauf zu schonen,
schmeichelt dem Gaumen und bringt Vitamine.

Erst wenn das Mahl ist komplett zubereitet,
lasse ich Euch gern als Gäste herein.
Wenn zu der festlichen Tafel Ihr schreitet,
wartet auf Euch dort ein köstlicher Wein.

All diese Arbeit hab ich gerne getan,
so nur das Ergebnis Euch allen jetzt mundet.
Stoßt an und genießt den vergänglichen Wahn,
denn Freude und Glück, sie sind nur gestundet.


Rt Schmafu fechste diesen Text am 4. Hornung a.U. 154 in der Lulutetia Parisiorum

Donnerstag, 31. Januar 2013

Tag für Tag

Hörfassung

Der Tag bläst mühsam keuchend die Trompete,
in der zu Eis sich schnell verformt der Hauch.
Des Säufers Schmerbauch sprengt die Hosennähte,
obwohl er sich verhaspelt beim Gebete
und träumt, dass er erwählt mit weißem Rauch.

Ein junger Feschak gleitet aus und schreit,
weil er sein Steißbein etwas angeschlagen.
Die andern lachen, er tut niemand leid,
und besser wäre es, sogar gescheit,
wollt er beim Aufstehen auch ein Lächeln wagen.

Das tut er nicht, er tut das Gegenteil:
er schimpft und pöbelt rüde jene an,
die an dem Sturze hatten keinen Teil.
Sie grinsten, hielten nur Maulaffen feil.
Was soll man sagen? Oh, Du lieber Schwan!

Das Leben bringt uns alle in Gefahr,
ob man agil ist oder nur passiv.
Wenn eine Liebesnacht auch herrlich war,
der nächste Morgen zeigt unabwendbar,
dass blind man hinter einer Täuschung lief.

Ob Jugend, Reifezeit, ob spätes Alter,
ob Mannsbild oder Weib, Hermaphrodit,
wir alle spielen nur Selbstunterhalter
auf einer Bühne, für die der Verwalter
kassiert zur letzten Miete uns gleich mit.

Rt Schmafu fechste diesen Text am 28. Eismond a.U. in der Lulutetia Parisiorum als "Wald und Wiesen" Fechsung 

Donnerstag, 10. Januar 2013

Trällerliedchen des François Villon

Hörfassung

Kalt ist der Winter, wenn man alleine ist,
aber mein Liebchen kennt dafür eine List:
drückt sich an mich und man vergisst,
dass draußen Frost und Eis.


Francois Villon, so heiß ich,
bin schon fast vierunddreißig.
Man nennt mich Dieb, doch eines weiß ich:
Gott liebt die Poeten




Ob Hurenbock, ob Dieb, ob Säufer,
Wirtshausprophet oder Wiedertäufer,
bleib mir stets treu, bin kein Mitläufer.
Drum provoziert mich nicht!

Auf die Moral, die Ehre pfeif ich,
gerne nach prallen Brüstchen greif ich,
bin sehr direkt und nicht weitschweifig:
kurz ist unser Leben!

Wenig belastet mein Gewissen,
wann ich werd einst aus dem Leben gerissen.
Wer wird mich schon von den Freunden missen?
Wer fragt im Mai nach Schnee?

Lasst, Freunde, mich jetzt Abschied nehmen.
Neugierig seid Ihr, sollt Euch schämen.
Trinkt noch ein Glas, um den Durst zu zähmen.
Mach mich aus dem Staub, schnell!

Francois Villon, so heiß ich,
bin schon fast vierunddreißig.
Man nennt mich Dieb, doch eines weiß ich:
Gott liebt die Poeten



Rt Schmafu (385) im Eismond a.U. 154 in der Fassung Hotel Wandl, Wien
geschrieben als Fechsung für den 14. Eismond a.U. 154, die u.a. dem ES 
Galgenstrick (also F. Villon) gewidmet ist. Melodie und Rhythmus folgen
dem  "Drunken Sailor" Matrosenlied  vom Beginn des 19. Jahrhunderts.  

Samstag, 15. Dezember 2012

Paris, Du schläfst


 Hörfassung       

Paris, Du schläfst? Schlaf weiter nur,
denn wärest aus dem Traum Du aufgewacht,
dann hättest Du gehört,
wie sich der Teufel in die Pratze lacht.
Schlaf weiter nur, er lässt Dich ungestört,
bis er, was Du einmal gewesen,
zerstört und umgebracht!

Dein Traum zeigt dir, wie auf den Boulevard
man schäkernd, kokettierend  promeniert,
wie zur Boheme in der Opera
ein Publikum begeistert applaudiert.

Der Jüngling säuselt in der Liebsten Ohr
mit ewig schönen Worten « ich bin Dein »
auf einer Bank in dem Jardin du Luxembourg,
und Glück und Seligkeit ist allerorten.

Darum, Paris, schlaf weiter nur,
schlaf, bis das Geschrei der Unkultur
dringt in Dich ein und zwingt Dich aufzuschauen,
zu sehen, wie auf Notre Dame
die Halbmondwimpel wehen,
geschächtet wird auf Place Concorde das Lamm.

Geschlossen Moulin Rouge, Folies Bergères;
die Schlanken, die dort tanzten,
feist und dick geworden,
sie dienen jetzt als Eigentum
den neuen Paschas, welche Ehr!

Ein Wesen, ganz bedeckt von einem Schleier,
kauft sich als Eheweib ein frommer Freier,
und die, mit der er sich beweibt,
verpflichtet sich, ihm viele Kinder zu gebären,
zu dienen dem Gemahl und ihn verehren,
und dass sie stets zu Hause bleibt.

Nur Männer sitzen und palavern im Café,
wo es kein Bier gibt, keinen Wein, nur Tee!
Und ruft der Muezzin auf zum Gebet,
kniet man sich nieder, wo man steht,
den Kopf zum Boden und den Hintern in die Höh,
preist Allah man selbst auf der Champs Elysée.

Oh, mein Paris, schlaf wieder ein
und träume von der alten Zeit,
dass etwas von der alten  Zeit verbliebe.
Was einmal war, wird nimmer sein!
Stadt an der Seine, Stadt der Liebe,
ich bitte Dich, Paris, schlaf ein.


Rt Schmafu gewann damit das Turney um die Eiffelturmkette der Lulutetia Parisiorum am 10. Christmond  a.U. 153

Zwiespalt



Opa, hast du schon das Christkind gesehen?
Opa, wie ist denn der Weihnachtsmann?
Kannst Du, lieber Opa, den Uhu verstehen
und ihn fragen, ob er kommt und wann?

Wenn man Schlaraffe und Großvater ist,
werden  Festtage stets komplizierter,
da man oft eins übers andre vergisst,
nicht weiß, wer gewinnt, was verliert wer.



Der nächtliche Vogel, den wir auserkoren,
um das Lichterbäumchen zu schmücken,
ist er zum Heile der Welt geboren,
um alle Welt zu beglücken?

Lauscht, liebe Enkel, hört Ihr Flügel schlagen,
vielleicht sind es Engel oder ist es Uhu?
Lasst uns nur Fröhliche Weihnachten sagen
und den Weihnachtsmann grüßen: Lulu!                                                                                                                                                       
 

Rt Schmafu (385) für Uhubaumfeier am 17. Christmond a.U. 153

Ode eines Schlaraffen


fast gesungen von Schmafu

Schlaraffen, preist Uhu!
Ehé ruft Euch zu Schmafu.
Rittergruß und Handschlag zuvor
für Freundschaft, Kunst und Humor.

Habt Ihr jetzt die Ohren voll
von dem Geschrei und Gewinsel.
Ich weiß, mich begnadete kein Apoll:
ich bin, was dem Maler sein Pinsel

Doch der Geist soll nicht vergessen sein,
ihn finden, scheint ein Mirakel.
Ich lade Euch gern ihn zu suchen ein.
Welch ein verrückter Spektakel!

Ich weiß, dass der Uhu ein Vogel ist,
benannt nach seinem Buhen.
Ich aber bin nur ein kleiner Statist,
ein Hündchen beim Bellen, ein Ochse beim Muhen!

Darum Freunde lad ich Euch nochmals ein,
mich Fechsamateur zu beloben
mit Quell oder süffigem Lethe-Wein.
Ehé! die Humpen gehoben!


von Rt Schmafu (385) geschrieben im Flugzeug Wien-Paris am 9. Christmond a.U. 153 nach Genuss eines einzigen Glases roter Lethe

Sonntag, 11. November 2012

Ahalla, ach so!

 Hörfassung


Ob man daran nur ein wenig glaubt
oder auch nicht, was tut es zur Sache,
denn wenn auch das Kruzifix ist verstaubt,
so späht in das Haus ein Uhu vom Dache.

Ziel ist und Zweck von Religionen,
die sich der Mensch zurechtgelegt,
uns vor dem Schaudern, der Angst zu verschonen,
die der Todesgedanke stets in sich trägt.

Der eine träumt vom Paradiese,
und ob er jenes wohl verdient,
den andern schreckt, dass man ihn stieße
ins Fegefeuer, taub und blind.

Wer einst Schlaraffe war im Leben,
dem sendet man im Tod noch Grüße
mit feierlichem Humpenheben
und schön verbrämten Wortgemüse.

Gewohnt ist man an diesen Brauch,
wobei man darauf leicht vergisst,
dass der Schlaraffen Hängebauch
nur wächst, weil man viel labt und frisst.

Das Jenseits hat nur wenig Sinn,
für den, der dieses Leben liebt
bis zu dem bittren Ende hin,
und schätzt, was ihm das Heute gibt.

Drum Sassen lasst uns fröhlich sein.
Die Botschaft hab Ihr wohl verstanden:
die Toten lassen uns allein,
wenn sie das Leben überstanden.

Ein tristes Sippungsthema darf
uns nicht von unsrer Straße weisen,
das sag ich laut, ich sag es scharf,
den, ders nicht glaubt, soll Oho beißen!


Rt Schmafu (385) verfasst  im Windmond a.U. 153 und mit gemischten Gefühlen nach der Ahallafeyer der Lulutetia Parisiorum vorgetragen. Er erinnerte sich des Brauches, sich nach Begräbnissen  im Wirtshaus zu treffen und (oft lärmend) zu feiern, denn die, die überleben, sollten sich dessen erfreuen.